Hallo Ihr Lieben,
heute fing unser Tag auf dem Künstlerfriedhof an - lauter Größen von Dostojewski über Tschaikowsky ruhen hier, wobei sie bestimmt nicht ihre ewige Ruhe gefunden haben, denn nebenan auf den Hauptverkehrsadern von St.Petersburg, dreht sich die Welt weiter. Sie würden auch in unserem Jahrhundert mit der digitalen Geschwindigkeit und der Informations- und Bilderflut nicht überleben, denn solide Kunst braucht Muse und Zeit. Auf dem Friedhof führen orthodoxe Mönche kleine Gästegruppen durch die Zeitgeschichte. Danach haben wir uns das Alexander-Newsky-Kloster angeschaut, das ein Männerkloster mit Sonderrechten ist und eine fundierte theologische Erziehung genießt. Übrigens dürfen die orthodoxen Priester heiraten und Familien gründen, orthodoxe Mönche aber nicht. Wir hatten die Gelegenheit an einem Gottesdienst teilzunehmen, allerdings durften wir keine Fotos machen. Während der Liturgie habe ich Gänsehaut bekommen und die schönen Gesichter der Frauen in Kopftüchern studiert. Ausländische weibliche Gäste brauchen kein Kopftuch, müssen aber Schultern und Beine bedecken. Nach einem Besuch in der Schneiderei und einer kurzen Rast in einer Pilgergaststätte sind wir zur Eremitage aufgebrochen - endlich würde ich meinen Jugendtraum verwirklichen! Bis auf dieses Museum habe ich nämlich alle Kunstmetropolen besucht und so war ich schon seit heute morgen sehr aufgeregt, v.a. die Werke und Rubens und Rembrandt zu sehen. Die Impressionisten wollen Sonja und ich noch an einem anderen Tag besuchen.
Schon beim Einchecken in die Eremitage war uns klar: Wir sind nicht allein. V.a. ergossen sich Lawinen von Chinesen in den Räumen, die ja neuerdings kein Visum für Russland brauchen. Wir haben die kleine Eremitage besucht, wo Katharina II ihre VIPs begrüßte, vom Eremitendasein keine Spur - es war vielmehr eine Vielvölkerwanderung. Ludmilla empfiehl und "gegen die Chinesen, ein bisschen zu kämpfen". Sonja ergatterte sich auf diese Weise einen Platz vor Leonardo da Vincis "Madonna mit der Nelke", ich fing aus lauter Verzweiflung an, die Touris zu fotografieren. Bei der Dame im Rollstuhl war ich zudem nicht sicher, ob sie noch lebt, da es in dem Museum auch wahnsinnig heiß war.
Einige blaue Flecke und Blessuren später spuckte uns die Eremitage wieder aus. Völlig dehydriert genossen wir bei leichtem Wind etwas Wasser und waren dankbar. dass wir die Eremitage überlebt haben - danke Universum;-)
Liebe Grüße
Maggie und Sonja















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